Zündzeitpunkt

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Der Zündzeitpunkt, abgekürzt ZZP, ist der Moment, in dem der Zündfunke an den Zündkerzen erzeugt wird und in den Brennräumen die Zündung erfolgt. Die Kontrolle und ggf. Einstellung des ZZP ist ein Wartungspunkt bei jeder Inspektion.

Aufbau und Einbauort

Der ZZP ist kein konkretes Bauteil und hat damit einen definierten Einbauort.

Bei der herkömmlichen Kontaktzündung des 2CV sind die am ZZP direkt beteiligte Teile: Nockenwelle, Fliehgewichte, Unterbrechernocke, Unterbrecherkontakt und Schwungscheibe. Bei Transistor-, Tyristor- oder vollelektronischen Zündanlagen können Teile hinzukommen bzw. wegfallen.

Zum Einbauort der einzelnen Teile siehe im jeweiligen Artikel.

Funktion

Allgemeines

Bei geschlossenem Unterbrecherkontakt und damit geschlossenem Stromkreis wird in der Zündspule zwischen Primär- und Sekundärspule ein Magnetfeld erzeugt. Beim Öffnen des Unterbrecherkontakts bricht die Spannung in der Primärspule und damit das Magnetfeld schlagartig zusammen und erzeugt dabei in der Sekundärspannung durch Induktion eine Hochspannung, die sich nur über Zündfunken an den Zündkerzenkontakten entladen kann.

Der ZZP ist der Moment, in dem der Unterbrecherkontakt öffnet.

Besonderheit der 2CV Zündanlage

Die Zündanlage des 2CV verzichtet auf einen Verteiler. Mit einem Unterbrecher und einer Zündspule wird stets in beiden Zylindern gleichzeitig gezündet, also pro Motorumdrehung eine Zündung. Während im einen Zylinder die Zündung korrekt im Zünd-OT erfolgt und das Gemisch im Brennraum entzündet, funkt im anderen Zylinder die Zündkerze in den Gaswechsel.

Da die Unterbrechernocke von der Nockenwelle angetrieben wird und damit nur mit halber Motordrehzahl dreht, besitzt sie zwei Hubnocken um bei jeder Motorumdrehung eine Zündung auslösen zu können.

Dynamische Zündzeitpunktverstellung

Die dynamische Zündzeitpunktverstellung geschieht durch die Fliehgewichte, die mit ihrem Federblech auf der einen Seite am Trägerblech der Nockenwelle, auf der anderen Seite am Trägerblech des Zündnockens befestigt sind. Bei Motorstillstand oder niedrigen Drehzahlen werden die Gewichte durch das Federblech innen gehalten. Mit steigender Drehzahl und steigender Fliehkraft auf die Fliehgewichte werden diese nach außen gedrückt. Dadurch werden die Federbleche gebogen und die Zündnocke relativ zur Nockenwelle verdreht. Der ZZP wird so in Richtung Frühzündung verstellt.

Arbeiten

Statischer Zündzeitpunkt

Kontrolle

In der Schwungscheibe ist eine 6 mm Bohrung vorhanden, die der statischen Zündzeitpunktkontrolle dient. Im linken oberen Gussarm des Motorgehäuses, unterhalb des Motortypenschilds, ist ebenfalls eine 6 mm Durchgangsbohrung. Durch diese Durchgangsbohrung kann der Einstellstab gesteckt werden. Im korrekten statischen ZZP von 8° v.OT greift dieser Stift in die 6 mm Bohrung in der Schwungscheibe.

In diesem Moment muss der Unterbrecher öffnen (Kontrolle durch Multimeter oder Kontrolllampe).

Der ZZP muss auch dann noch stimmen, wenn der Motor eine komplette Umdrehung weiter gedreht wurde, also beide Zylinder den gleichen ZZP im Zünd-OT haben. Ist das nicht der Fall, muss die grundsätzliche Einstellung kontrolliert und ggf. korrigiert werden (Abweichungen an Nockenwelle oder Zündnocken), siehe Grundeinstellung.

Korrektur

Zur Korrektur des ZZP wird das Unterbrechergehäuse leicht gelöst und um die Nockenwellenachse verdreht. Korrekturen der Einstellung erfordern eine wechselweise Kontrolle von ZZP und Unterbrecherabstand. Gehäuse gegen den Uhrzeigersinn verdrehen bewirkt einen späteren ZZP.

Dynamische Zündzeitpunktkontrolle

Der maximale dynamische Verstellbereich der Zündung reicht ab dem statischen ZZP

  • bis +16° v.OT ab 3800/min beim Motortyp A 53 und M 4
  • bis +25° v.OT ab 2800/min beim Motortyp A 79/0
  • bis +30° v.OT ab 3000/min beim Motortyp A 79/1, M 28/1 sowie M 28 außer Ausführung A 06/664
  • bis +24° v.OT ab 3000/min beim Motor A 06/664.

Zur dynamischen Zündzeitpunktkontrolle ist eine Stroboskoplampe, ein Drehzahlmesser (alternativ Multimeter mit Drehzahlanzeige) sowie eine farbliche Markierung auf einzelnen Zähnen des Anlasserzahnkranzes auf der Schwungscheibe erforderlich.

Für die farbliche Markierung wird im statischen ZZP im Sichtbereich unter dem Anlasser ein Zahn des Anlasserzahnkranzes markiert, sowie eine Stelle am Gehäuse direkt darüber. Ein weiterer Zahn wird für die maximale ZZP-Frühverstellung markiert. Zumindest für die Motortypen A 79/1, M 28 und M 28/1 dazu den Motor gegen den Uhrzeigersinn drehen, neun Zähne (beim A 06/664: sieben Zähne) des Anlasserzahnkranzes abzählen und diesen markieren. Für die früheren Motoren gelten die Werte fünf Zähne (A 53, M 4) bzw. sieben Zähne (A 79/0) unter dem Vorbehalt, dass ihre Anlasserzahnkränze auf der Schwungscheibe ebenfalls 107 Zähne haben.

Im Leerlauf muss die Markierung für den statischen ZZP bei der Markierung am Gehäuse stehen. Ab der genannten Motordrehzahl muss die zweite Markierung bei der Gehäusemarkierung stehen. Erscheint der markierte Zahn links der Gehäusemarkierung, ist der ZZP früher als vorgegeben.

Korrektur

Die Korrektur des ZZP im Leerlauf erfolgt wie bei der statischen Kontrolle.

Zur Korrektur der maximalen Frühzündungsverstellung

Achtung: Die Anschläge können bei zu viel oder zu häufigem Nachbiegen leicht abbrechen. Da das Trägerblech fest mit der Nockenwelle verbunden ist, ist bei defekten Anschlägen ein Nockenwellentausch erforderlich.

Grundeinstellung

Ist der ZZP für die beiden Zylinder nicht synchron, d.h. ist der Zeitpunkt zweier aufeinander folgenden ZZP verschieden, liegt eine Störung in der Grundeinstellung vor. Äußern tut sich das bei der statischen Kontrolle, dass bei einem ZZP der Einstellstift problemlos in die Kontrollbohrung in der Schwungscheibe passt, bei dem darauffolgenden ZZP eine Kurbelwellenumdrehung später aber nicht. Wieder eine Kurbelwellenumdrehung später passt es wieder.

Bei der dynamischen Kontrolle äußert es sich beim Abblitzen mit der Stroboskoplampe durch einen doppelt erscheinenden markierten Zahn des Anlasserzahnkranzes. Die Ursache dafür liegt entweder im Unterbrechernocken in ungleichmäßig abgenutzten Nocken, oder im krummen Wellenstumpf der Nockenwelle.

Mit einem Test lässt sich die Ursache bestimmen:

  • ZZP sauber für einen Zylinder einstellen. Dass der ZZP eine Kurbelwellenumdrehung später anders sitzt, spielt zunächst keine Rolle. Jede zweite Kurbelwellenumdrehung muss der ZZP wieder sauber stimmen.
  • Motor bis zum früheren der beiden ZZP durchdrehen.
  • Unterbrechergehäuse komplett ausbauen.
  • Die nach unten weisende Nocke markieren. Geeigneterweise durch einen Lackstift auf dem Trägerblech des Nockenkörpers.
  • Nockenkörper ausbauen und um 180° gedreht (markierte Nocke weist nun nach oben) wieder einbauen
  • Unterbrechergehäuse wieder montieren, ZZP wieder einstellen.
  • Kontrollieren, welches nun der frühere ZZP ist.

Ist wieder die markierte Nocke die mit dem früheren ZZP, dann sind die Nocken unterschiedlich verschlissen. Durch den Tausch des Unterbrechernockens gegen ein intaktes Exemplar ist die korrekte Grundeinstellung wieder vorhanden.

Ist es die nicht markierte Nocke, dann ist der vordere Wellenstumpf der Nockenwelle krumm und sorgt durch eine taumelnde Bewegung der Unterbrechernocke für den unterschiedlichen ZZP. Zum Tausch der Nockenwelle muss der Motor zerlegt und das Motorgehäuse geöffnet werden.

Mit der richtigen Mischung aus Erfahrung, Gefühl und Glück kann der Wellenstumpf im eingebauten Zustand gerichtet werden. Die Abweichung beträgt meist nur wenige hundertstel mm. Entweder mit einer Messuhr bei ausgebautem Unterbrechernocken die genaue Richtung der Abweichung messen, und die Abweichung zurück biegen. Oder den Motor durchkurbeln, bis die Nocke mit dem späteren ZZP nach unten weist. Dann von oben her einen stumpfen Meißel oder Flachschraubendreher auf die Nockenwellenspitze ansetzen und mit einem kleinen Hammer einen wohldosierten Schlag drauf geben. Danach das Unterbrechergehäuse wieder einbauen, den ZZP einstellen und die Abweichung zwischen zwei aufeinanderfolgende ZZP komtrollieren. Die Prozedur nötigenfalls mehrmals wiederholen, bis es keine Abweichung zwischen zwei ZZP mehr gibt.

Weblinks