Ventilspiel

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Das Ventilspiel ist erforderlich, dass die Ein- und Auslassventile in allen Betriebssituationen sicher schließen. Durch unterschiedliche Temperaturen und Wärmeausdehnungen im gesamten Ventiltrieb kann das Ventilspiel im Motorbetrieb deutlich variieren.

Funktion

Der gesamte Ventiltrieb besteht aus Nockenwelle, Stößel, Stößelstangen, Kipphebel mit Einstellschrauben und den Ventilen. Einfluss auf das Ventilspiel haben durch die Wärmeausdehnung auch das Motorgehäuse, die Zylinder und der Zylinderkopf. Durch die Wärmeausdehnung von Stößel, Stößelstange oder Ventile (Ventilschäfte) wird das Ventilspiel verkleinert, durch die Wärmeausdehnung von Motorgehäuse, Zylinder und Zylinderkopf wird es vergrößert. Die verschiedenen Bauteile werden im Motorbetrieb nicht alle gleich stark bzw. gleich schnell aufgeheizt oder abgekühlt.

Das korrekte Ventilspiel ist wichtig, damit der Brennraum dicht ist und der Verbrennungsdruck voll auf den Kolben wirken kann. Zudem können die Ventilteller nur bei geschlossenem Ventil die Wärme an den Zylinderkopf abgeben. Besonders die Auslassventile können bei zu kleinem Ventilspiel überhitzen. Dadurch können die Ventilteller verbrennen oder sogar abreißen.

Zu großes Ventilspiel beeinträchtigt den Gaswechsel im Zylinder und kann für Leistungsverlust sorgen. Zudem hämmern die Einzelteile des Ventiltriebs stärker aufeinander, was den Verschleiß erhöht.

Das Einstellen des Ventilspiels wird am kalten Motor (< 30°C) durch die Einstellschrauben an den Kipphebeln vorgenommen.

Arbeiten

Das Ventilspiel soll alle 20.000 km kontrolliert werden. Bei unsauber laufendem Motor, schlechter Startwilligkeit oder Motorleistung oder hohem Verbrauch kann auch falsches Ventilspiel die Ursache sein. Ein Kompressionstest sollte vorab zur Verifizierung durchgeführt werden.

Werkzeug und Hilfsmittel

  • Flachschraubendreher
  • Gabel- oder besser Ringschlüssel SW 10
  • Gabel- oder Ringschlüssel oder Stecknuss SW 12
  • Fühlblattlehren 0,15 / 0,20 / 0,25 / 0,30 mm
  • Auffangbehälter fürs Öl aus dem Kipphebelraum, z.B. Herings- oder Margarinedosen
  • Kurbel oder Ratsche mit Verlängerung und Nuss SW 14

Vorarbeiten

Durchführung

Auffangbehälter unter dem Zylinderkopf. Q:entmontage.de
Fühlblattlehre zwischen Kipphebel und Ventilschaft. Q:entmontage.de
Der Spalt ist keilförmig. Das Ventilspiel muss an der schmalsten Stelle kontrolliert werden. Q:entmontage.de
  • Auffangbehälter auf den Rahmen direkt unter den Zylinderköpfen stellen.
  • Hutmutter des Ventildeckels lösen und abschrauben, Ventildeckel abnehmen. U.U. kann der Ventildeckel mit der Dichtung stark auf dem Zylinderkopf festkleben. Mit leichtenradialen Schlägen auf den Ventildeckelrand mit einem Holzstück oder Gummihammer kann der Deckel gelöst werden. Keinen Schraubendreher oder Meißel zum Abhebeln verwenden, das kann zu Beschädigungen an den Dichtflächen führen!
    Achtung! Im Kipphebelraum kann sich bis zu 1/4 Liter Öl ansammeln, die dann herausschwappen und hoffentlich im Auffangbehälter landet.
    Hinweis: Es empfiehlt sich, vor der Ventilspielkontrolle das Anzugsmoment der Zylinderkopfschrauben zu kontrollieren.
  • Mit der Kurbel oder Ratsche mit Stecknuss SW 14 den Motor am Lüfterrad langsam durchdrehen und dabei die Kipphebelbewegung an einem Zylinder beobachten. Zuerst öffnet das Auslassventil (in Fahrtrichtung vorne). Kurz bevor das Auslassventil wieder schließt, beginnt das Einlassventil zu öffnen. Je nach Methode des Ventilspieleinstellens (siehe weiter unten) wird entweder die maximale Ventilöffnung als Bezugspunkt verwendet, oder wenn das schließende Aus- und das öffnende Einlassventil gerade gleich weit geöffnet sind.
  • Am geschlossenen Ventil per Fühlblattlehre von oben her den Abstand zwischen Kipphebel und Ventilschaft messen, und dabei mit Fingerkraft leicht an der Einstellschraube Richtung Nockenwelle drücken. Zielwert: 0,20 ... 0,25 mm. Die Fühlblattlehre soll "saugend" hindurchgezogen werden können. Leichtes Klemmen ist zulässig. Zur Kontrolle soll das nächst größere Blatt der Fühlblattlehre nur stark klemmened oder gar nicht mehr durchpassen, das nächst kleinere Blatt widerstandsfrei durchgleiten.
  • Nicht korrektes Ventilspiel korrigieren:
    - Kontermutter an der Einstellschraube mit Ringschlüssel SW 10 leicht lösen (mehr als 1/4 Umdrehung meist nicht nötig)
    - Einstellschraube mittels Flachschraubendreher verdrehen (eine vollständige Umdrehung bewirkt ## mm Änderung am Ventilspiel). Linksdrehung vergrößert das Ventilspiel, Rechtsdrehung verkleinert es.
    - Kontermutter wieder festziehen. Dabei mit dem Schraubendreher die Einstellschraube gegenhalten
    - Ventilspiel erneut kontrollieren, ggf. erneut korrigieren.
    Hinweis: Zur abschließenden Ventilspielkontrolle den Motor ein mal komplett durchkurbeln.
  • Bei korrektem Ventilspiel den festen Sitz aller Kontermuttern kontrollieren
  • Dichtflächen an Zylinderkopf und Ventildeckel reinigen, Dichtung an den Dichtflächen leicht mit Motoröl benetzen und in den Ventildeckel einlegen
  • Ventildeckel auf den Zylinderkopf aufsetzen und ausmitteln, Hutmutter SW 12 aufschrauben und handfest anziehen
  • Hutmutter mit 5-7 Nm festziehen.
    Alternativmethode: Handfest angezogene Hutmutter mit Schraubenschlüssel oder Stecknuss und Ratsche 1,5 Umdrehungen anziehen. Wenn nach der Dichtkontrolle noch Öl am Ventildeckel austritt, noch 1/4 bis max. 1/2 Umdrehung nachziehen.
    Ist der Ventildeckel mit 7 Nm bzw. 2 Umdrehungen noch immer nicht dicht, Ventildeckeldichtung tauschen.
    Achtung! Zu starkes Anziehen kann den Ventildeckel verformen, der dann nicht mehr dicht zu bekommen ist!

Methode "Gegenüberliegend"

Diese Methode basiert auf der Tatsache, dass beim Einen Zylinder das Ventilspiel gemessen werden kann, wenn das entsprechende Ventil am anderen Zylinder maximal geöffnet ist.

  • Auslassventil an Zylinder 1 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Auslassventil an Zylinder 2 kontrollieren und ggf. korrigieren
  • Einlassventil an Zylinder 1 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Einlassventil an Zylinder 2 kontrollieren und ggf. korrigieren
  • Auslassventil an Zylinder 2 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Auslassventil an Zylinder 1 kontrollieren und ggf. korrigieren
  • Einlassventil an Zylinder 2 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Einlassventil an Zylinder 1 kontrollieren und ggf. korrigieren

Methode "Gleiche Seite"

Diese Methode basiert auf der Tatsache, dass an einem Zylinder das eine Ventil vollständig geschlossen sein muss und der Hub noch nicht begonnen hat, wenn das andere Ventil maximal geöffnet ist.

  • Auslassventil an Zylinder 1 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Einlassventil an Zylinder 1 kontrollieren und ggf. korrigieren
  • Einlassventil an Zylinder 1 auf maximale Öffnung bringen
  • Vetilspiel Auslassventil an Zylinder 1 kontrollieren und ggf. korrigieren

Für Zylinder 2 in gleicher Weise vorgehen.

Methode "Auf Kippe"

Diese Methode nutzt die Tatsache, dass wenn am einen Zylinder gerade beide Ventile geöffnet sind, die Ventile am anderen Zylinder vollständig geschlossen sind. Die "Kippe" ist dabei der Moment, an dem das schließende Auslassventil und das öffnende Einlassventil gerade gleich weit geöffnet sind. Für viele Entenschrauber ist das die sicherste, angenehmste und einfachste Methode der Ventilspielkontrolle.

  • Aus- und Einlassventil an Zylinder 1 auf Kippe bringen
  • Ventilspiel an Aus- und Einlassventil an Zylinder 2 kontrollieren und ggf. korrigieren

Für den anderen Zylinder in gleicher Weise vorgehen.

Abschluss und Kontrolle

  • Motor starten und warmlaufen lassen (Öltemperatur > 60°C, ideal wäre vollständige Betriebstemperatur).
  • Dichtkontrolle der Ventildeckel, nötigenfalls Hutmutter SW 12 nachziehen.
  • Bei Bedarf Kompressionstest
  • Ölstand kontrollieren, ggf. korrigieren
  • Bei den Vorarbeiten demontierte Teile wieder montieren

Weblinks