Bremsflüssigkeit

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Beim 2CV und Derivaten kommen systembedingt zwei unterschiedliche Bremsflüssigkeiten zum Einsatz.

DOT Bremsflüssigkeit

Fahrzeuge mit Einkreisbremssystem und Trommelbremsen (2CV bis 1981, Dyane und Mehari bis 1977) sind in den meisten Fällen auf DOT Bremsflüssigkeit nach SAE Norm 70R ausgelegt. Verwendet werden können Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis, nämlich DOT3, DOT4 und DOT5.1. Diese Bremsflüssigkeiten sind auch miteinander mischbar. Das Gemisch hat jedoch eine andere Siedetemperatur als die reinen Bremsflüssigkeiten, sicherheitshalber sollte die niedrigste Siedetemperatur der jeweiligen Einzelflüssigkeit angenommen werden.

Bremsflüssigkeit DOT5 ist eine Flüssigkeit auf Silikonbasis, mit weniger Veränderung des Siedepunkts je nach Wasseraufnahme, sowie niedrigerer Viskosität bei tiefen Temperaturen. DOT5 ist damit besonders geeignet für Bremsanlagen mit Assistenzsystemen wie ABS oder ESP. Für den 2CV vorteilhaft ist eine bessere Alterungsstabilität als die glykolbasierten DOT Bremsflüssigkeiten.

DOT5 darf gemäß zahlreichen Berichten nicht mit glykolbasierten DOT Bremsflüssigkeiten gemischt werden. Verschiedenen Untersuchungen zufolge sind silikon- und glykolbasierte Bremsflüssigkeiten physikalisch nicht mischbar und entmischen sich mit der Zeit wieder. Chemische Reaktionen wurden dabei jedoch nicht beobachtet.[1]

Verschiedenen Erfahrungsberichten zufolge ist DOT5 ungeeignet für die Bremsanlage im 2CV. Dem widerspricht dagegen die Untersuchung von Peter Zell in Veteran 2/2016[2], derzufolge ein Wechsel auf DOT5 problemlos möglich ist.

DOT Bremsanlagen dürfen nur mit Bremsflüssigkeit, Spiritus oder Alkohol gespült und gereinigt werden.

DOT Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch, also wasseranziehend. Mit zunehmendem Wassergehalt sinkt die Siedetemperatur, wodurch bei langanhaltendem oder starkem Bremsen Dampfblasen im Bremssystem entstehen können und dadurch die Bremswirkung nahezu vollständig zusammenbricht. Daher sollte DOT Bremsflüssigkeit grundsätzlich alle 2 Jahre gewechselt werden, auch die alterungsstabilere DOT5 Bremsflüssigkeit.

Dichtungen in DOT Bremsanlagen sind i.d.R. von brauner oder schwarzer Farbe. Auch weiße oder rote Kennfarbe ist möglich.

LHM Bremsflüssigkeit

HBZ LHM 20W20 1.jpg
Vorratsbehälter mit Hinweis auf 20W-20 Motoröl als zulässiger Ersatz für LHM
Grün markierte Dichtungstülle als Kennzeichnung zur Verwendung in LHM-Systemen

Fahrzeuge mit Zweikreisbremssystem und Scheibenbremsen an der Vorderachse (2CV ab 1981, Dyane und Mehari ab 1977) sind auf LHM Bremsflüssigkeit ausgelegt. Auch verschiedene Modelle und Jahrgänge mit Trommelbremse vorne bzw. Einkreissystem wurden auf LHM ausgelegt. LHM bedeutet "Liquide Huile Minerale", frz. für "flüssiges Mineralöl". LHM entspricht im Wesentlichen normalem Motoröl, jedoch ohne motorspezifische Additive, dafür mit giftgrüner Färbung. Durch die vergleichbaren Eigenschaften kann LHM im Notfall durch Motoröl ersetzt oder ergänzt werden. Entsprechende Hinweise sind auf manchen alten Vorratsbehältern für Einkreissysteme aufgedruckt. Um aber die Kennzeichnung durch die besondere Färbung zu erhalten und so versehentliches Mischen mit DOT Bremsflüssigkeit zu vermeiden, soll baldmöglichst wieder auf reine LHM Bremsflüssigkeit umgestellt werden.

LHM und DOT darf keinesfalls gemischt werden. Die Dichtungen im Bremssystem vertragen die jeweils andere Bremsflüssigkeit nicht, quellen auf und werden undicht. Zudem können die Flüssigkeiten miteinander zu einer geleeartigen Masse reagieren, die den Bremsdruck vom Hauptbremszylinder schlechter an die Radbremszylinder weitergeben kann, bzw. anschließend den Bremsdruck schlechter wieder abbauen kann.

LHM Bremssysteme dürfen nur mit Benzin oder anderen Fett und Öl lösenden Flüssigkeiten gespült und gereinigt werden, keinesfalls mit Spiritus oder Alkohol.

Die Dichtungen in LHM Bremssystemen sind i.d.R. grün eingefärbt. LHM als Bremsflüssigkeit ist eine Spezialität von Citroën, es empfiehlt sich daher grundsätzlich, für die LHM Bremssysteme ausschließlich Originalteile oder Ersatzteile aus auf Citroën spezialisierte Ersatzteilquellen zu verwenden, da mit zunehmender Globalisierung und Produktkopie die Färbung als Kennzeichnung unzuverlässiger wird. Es gibt auch diverse Rolls-Royce Fahrzeuge in denen LHM zum Einsatz kam.

LHM ist als mineralölbasierte Flüssigkeit nicht wasseranziehend, ändert daher seine Siedetemperatur nicht und braucht deswegen auch nicht alle zwei Jahre ausgetauscht zu werden. Da aber auch Mineralöl gewissen Alterungsprozessen unterworfen ist, empfiehlt sich ein Austausch der LHM Bremsflüssigkeit etwa alle 5 bis 10 Jahre, oder wenn die Grünfärbung der Bremsflüssigkeit nicht mehr sicher erkennbar ist.

LHM+ ist das Nachfolgeprodukt und kann problemlos als Ersatz für LHM verwendet werden.